Anders als der Name im ersten Moment vermuten lässt, handelt es sich bei Krankenhauskeimen nicht um eine bestimmte Art Erreger. Viel mehr bezeichnet der Begriff eine Vielzahl an Keimen, mit denen sich Patienten bei einer Behandlung im Krankenhaus anstecken. Sie bergen dort das Risiko sogenannter nosokomialer Infektionen – auch Krankenhausinfektionen genannt – und bedürfen daher besonderer Aufmerksamkeit. Wie Sie sie effektiv bekämpfen und wie Sie ihnen am besten vorbeugen, erfahren Sie hier.

Risikogruppen für Krankenhauskeime

Per se handelt es sich bei den sogenannten Krankenhauskeimen um alltägliche Keime, die viele Menschen bereits auf der Haut tragen. Dort richten sie insbesondere bei einem gesunden Menschen keinerlei Schaden an. Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem hingegen haben sie fatale Auswirkungen. Wenn Wunden die Hautbarriere durchbrechen, gelangen die Keime beispielsweise in die Blutbahn. Erst dort werden sie zu einem Problem. Infektionen, Blutvergiftungen und Entzündungen sind mögliche Folgen.

Aus diesen Gründen sind diese Erreger gerade in Krankenhäusern ein gefürchtetes Problem. Operationen, Krankheiten und Zugänge öffnen ihnen sprichwörtlich Tür und Tor. Jährlich sterben zwischen 10 000 und 15 000 Menschen an einer Infektion durch Krankenhauskeime. Sie gefährden allerdings nicht nur Kranke und Verletzte. Generell alle, deren Immunsystem nur eingeschränkt leistungsfähig ist, müssen aufpassen.

Etabliert hat sich für eine Zusammenfassung der Ausdruck „YOPIS“. Er stammt aus dem Englischen und setzt sich aus den Begriffen young, old, pregnant und immunocompromised zusammen. Auf Deutsch heißt das: Sehr junge Menschen, wie beispielsweise Säuglinge, alte Menschen, Schwangere und eben Immungeschwächte sind betroffen.

Die gefährlichsten Krankenhauskeime

Es existieren viele verschiedene Keime, die unter diesen Umständen zu einem Problem werden können: Staphylokokken, Enterokokken, Clostridien, Pseudomonas und mehr. Doch die meisten lassen sich gut bekämpfen und eindämmen. Doch unter allen Krankenhauskeimen gibt es einige, die besonders häufig vorkommen und nicht zu unterschätzen sind:

  • Methicillin-resistent Staphylococcus aureus (MRSA)
  • Vancomycin-resistent Enterococcus faecium (VRE)
  • Beta-Lactamasa produzierende Enterobakterien (ESBL)
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Acinetobacter baumannii

Hierbei handelt es sich um die gefährlichsten Vertreter dieser Erreger. Das Problem hat bei ihnen allerdings zwei Gesichter. Sie können schwerwiegende Infektionen verursachen, wie Sepsen, Lungenentzündungen und Wundinfektionen. Darin unterscheiden sie sich nicht direkt von anderen Krankenhauskeimen. Das eigentliche Problem hier ist ihre Resistenz gegen die gängigsten Antibiotika – teilweise sogar gegen mehrere. Das macht es besonders schwierig, eine einmal aufgetretene Ansteckung wieder loszuwerden.

MRSA – der gefürchtetste Krankenhauskeim

Der Name verrät es bereits – MRSA besitzt eine Resistenz gegenüber dem Antibiotikum Methicillin, was es wirkungslos macht. Das Bakterium an sich ist nicht selten, es besiedelt häufig Haut und Schleimhäute. Bei einem gesunden Menschen ist das unbedenklich, doch immungeschwächte Personen leiden unter einer Infektion. Sie greift vor allem Organe an, die Haut und Wunden – ein Krankenhaus ist also ein Paradies für diese Krankenhauskeime. Oft betroffen sind vor allem Intensivstationen, Abteilungen für Brandverletzungen und Neugeborenstationen.

Erstmals kamen die Stämme vor 50 Jahren in England auf, breiteten sich aber schnell weltweit aus. Zunächst gab es sie hauptsächlich in Kliniken, wo sie nicht nur durch ihre Methicillin-Resistenz zum Problem wurden. Es stellte sich nämlich bald heraus, dass ihnen zudem alle anderen Antibiotika der beta-Laktam-Klasse nichts anhaben konnten. Weitere Klassen waren ebenfalls öfter vertreten. Als damit multiresistente Krankenhauskeime werden sie gefürchtet – insbesondere, weil sie hochansteckend sind.

VRE – der verirrte Darmkeim

An sich handelt es sich bei Enterokokken um Bakterien, die eigentlich die Darmflora positiv beeinflussen. Selbst auf vielen Lebensmitteln sitzen die Keime. An und für sich sind sie harmlos – bis sie ihren angestammten Ort verlassen. Gerade bei immungeschwächten Patienten können sie dann schwere Entzündungen hervorrufen. VRE stellt dabei die Herausforderung, dass es gegen das Antibiotikum Vancomycin resistent ist – mindestens. Häufig kommen auch andere Klassen hinzu, weshalb Infektionen oftmals tödlich enden.

ESBL – eine Gruppe Keime mit bestimmter Eigenschaft

ESBL bezeichnen ebenfalls Darmkeime, die eigentlich ungefährlich sind. Dieser Gruppe ist jedoch gemein, dass sie durch genetische Veränderungen ein mutiertes Enzym der Beta-Lactamase erzeugen. Das macht sie ebenfalls resistent gegen Antibiotika und schwer zu bekämpfen. Zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören neben immungeschwächten Personen zudem Neugeborene, insbesondere Frühchen. Ihr Immunsystem ist noch nicht ausgebildet und daher anfällig für eine Infektion. Anders als bei den anderen Krankenhauskeimen kommt es bei diesen immer häufiger zu einer Ansteckung in Kliniken. Zurückzuführen ist das auf den unverhältnismäßigen Einsatz von Antibiotika – sowohl in der Human- als auch der Tiermedizin und in der Tierhaltung.

Pseudomonas aeruginosa – natürlich resistent

Die natürliche Heimat des Keims sind Feuchtgebiete, aber auch Feuchtbereiche in Kliniken. Meistens bringen diesen Keim Besucher von außen in das Krankenhaus, eine Ansteckung von Patient zu Patient ist zudem möglich. Das geschieht dann beispielsweise über die Hände des Pflegepersonals. Eine Infektion löst vor allem Probleme mit den Atemwegen, Wunden und den Harnwegen aus, darüber hinaus können Sepsen auftreten. Das große Problem mit diesen Erregern ist, dass sie von Natur aus bereits eine Resistent gegen viele Antibiotika besitzen.

Acinetobacter baumannii – durch Biofilm besonders geschützt

Aktuellen Schätzungen zufolge gehen bis zu 5 Prozent aller nosokomialen Infektionen allein auf Acinetobacter baumannii zurück. Die Verläufe kristallisieren sich als immer schwerer heraus, sodass hier akuter Handlungsbedarf besteht. Ein großes Problem bei der Bekämpfung stellt allerdings ein flexibles Genom dar, das der Erreger aufweist. Durch das ist es ihm ein Leichtes, neue Resistenzen gegen Antibiotika zu entwickeln. Typisch für Krankheitserreger verfügt das Bakterium außerdem über die Fähigkeit, einen Biofilm zu bilden. Diese gelartige Substanz schützt es in besonderem Maße. Das macht es umso schwieriger, es loszuwerden.

Krankenhauskeimen vorbeugen

Die effektivste Methode, um gegen Krankenhauskeime vorzugehen, ist, sie gar nicht erst zu einer Infektion führen zu lassen. Um das zu erreichen, ist es essenziell, dass das Hygienemanagement im Gesundheitswesen stimmt. Der wichtigste Punkt hierbei ist die Händehygiene, bestehend aus dem Waschen und dem Desinfizieren der Hände. Das allein verhindert bereits eine Vielzahl an Kontaminationen, weil das Personal die Erreger nicht von einem Patienten zum anderen trägt. Doch auch für Besucher sollten diese Regeln gelten, damit sie keine Keime von außen hereinbringen.

Hygiene im Krankenhaus

Ausreichend Hygienemittel bereitstellen

Daher sollten im Krankenhaus an jedem Eingang und in den Personalräumen stets gefüllte Hygienespender mit Desinfektionsmittel stehen. Produkten mit 60 bis 80 Prozent Alkohol widersetzt sich kein Krankenhauskeim. Hinzu kommen ausreichend Handreiniger, um sich in den Sanitärräumen die Hände waschen zu können. Damit allein lässt sich bereits ein Drittel der Infektionen vermeiden. Mit unseren praktischen Hygieneartikeln für das Gesundheitswesen sind Sie nicht nur für alle Fälle gewappnet. Gleichzeitig profitieren Sie noch von der hohen Ergiebigkeit: Die Produkte bieten lange Schutz und Hygiene, ohne dabei viel Aufwand zu erfordern. Lange Nachfüllintervalle belasten die Mitarbeiter zeitlich wenig und ermöglichen ihnen so mehr Zeit für andere Tätigkeiten.

Mit Organisation Krankenhauskeime minimieren

Weitere Maßnahmen sind organisatorischer Natur. Sie beinhalten die berührungslose Abfallentsorgung nach dem Kümmern um einen Patienten. So können Angestellte Handschuhe, Tücher und dergleichen ohne Handkontakt wegwerfen. Außerdem ist ein Verringern der Patientenzahl sinnvoll – sowohl pro Zimmer als auch pro Pflegekraft. Auf diese Weise stecken sich die Patienten weniger gegenseitig an und die Mitarbeiter haben ausreichend Zeit für die Hygiene zwischendrin. Besonders bei stark gefährdeten Gruppen ist es zudem ratsam, sie bei Einlieferung auf Krankenhauskeime zu testen. So kann vorab festgestellt werden, ob sie gefährliche Erreger bereits mit sich tragen, und es lassen sich entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen. Zuletzt spielt die gezieltere und weniger exzessive Gabe von Antibiotika allgemein eine Rolle.

Handschuhe und Maske

Besucher in die Pflicht nehmen

Darüber hinaus sind auch Besucher ein wichtiges Glied der Infektionskette. Sie bringen Keime von außen in die Klinik, weshalb sie ebenso die Verantwortung tragen, die Ansteckung zu vermeiden. Am besten sollten sie daher darauf hingewiesen werden, sich die Hände in folgenden Situationen zu desinfizieren:

  • beim Betreten des Krankenhauses
  • vor dem Betreten des Krankenzimmers
  • nach der Interaktion mit potenziell kontaminierten Gegenständen
  • nach der Toilettennutzung
  • beim Verlassen des Krankenhauses

Weitere Aspekte, auf die Besucher achten sollten, beinhalten hauptsächlich Verhaltensregeln. So sollten sie bei Krankheitssymptomen ganz von einem Besuch absehen oder einen Mundschutz tragen. Gegenstände, mit denen der Patient in Kontakt kommen wird, sollten nicht auf den Boden gestellt werden. Da auch die Kleidung Keime übertragen kann, sollten Besucher sich nicht auf das Bett, sondern lieber auf einen Stuhl setzen. Zuletzt: Wer Blumen mitbringen möchte, sollte zu Schnittblumen greifen, da Topfpflanzen Keime und Pilze in der Erde haben können.

Krankenhauskeime bekämpfen

Eine einmal entstandene Infektion wirkungsvoll zu bekämpfen, ist eine echte Herausforderung. Durch die Resistenz gegen meist nicht nur eine Antibiotika-Klasse werden zur Bekämpfung spezielle Reserve-Antibiotika benötigt. Doch auch gegen diese entwickeln die Bakterien nach und nach Resistenzen, sodass irgendwann keins mehr wirken wird. Ist also trotz Präventivmaßnahmen doch eine Kontamination entstanden, müssen neue Therapiemöglichkeiten her. Daran wird konstant weiter geforscht und inzwischen gibt es vielversprechende Ansätze, um zumindest einige der gefährlichen Krankenhauskeime ohne Antibiotika loszuwerden:

  • Pseudomonas aeruginosa von innen heraus bekämpfen: Die Arbeitsgruppe des Konstanzer Chemikers Dr. Thomas Böttcher arbeitet an einer Methode, den Stoffwechsel des Erregers zu hemmen. Dieser setzt Signalstoffe frei, die die Menge der Bakterien messen. Wenn genügend Erreger im Organismus vorhanden sind, produzieren sie sogenannte Virulenzfaktoren. Diese lösen die Krankheiten aus. Ziel hier ist es, diese Signalstoffe auszuschalten.
  • Staphylococcus aureus von Viren gefressen: Ein Forscherteam aus Münster und Tübingen setzt bei der Prophylaxe neuer Infektionen auf einen Virus. Dabei handelt es sich um einen Bakteriophagen – was auf Deutsch „bakterienfressend“ bedeutet –, der ein Protein produziert, das speziell diese Staphylokokken angreift. Und nur diese, die restliche Keimflora bleibt unangetastet. Es wirkt, indem es an die Oberfläche des Bakteriums andockt und sie aufschneidet. Durch den in ihnen herrschenden Überdruck platzen die Bakterien und sterben, ehe sie Resistenzen entwickeln können.

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